index.svg

Vorwort zum Geschäftsbericht 2025

2025 hat sich die einzigartige Positionierung der Stadtcasino Baden Gruppe einmal mehr bewährt. Die Kräfteverteilung auf landbasierte Casinos im In- und Ausland, Online-Gaming und Technologieentwicklung liess das Konzernergebnis trotz Konsolidierung im Schweizer Casinomarkt deutlich ansteigen.

Hubertus Thonhauser, Präsident des Verwaltungsrates Stadtcasino Baden AG

Liebe Aktionärinnen
Liebe Aktionäre 

Wir erleben bewegte Zeiten mit bemerkenswerten und teilweise unerwarteten Entwicklungen in Geopolitik, Gesellschaft und Wirtschaft. Letzteres tangiert auch in der Schweiz eine steigende Anzahl Menschen hinsichtlich ihrer Arbeitsplatzsicherheit und dem (inflationsbereinigten) Stillstand bei der Gehaltsentwicklung. Es herrscht ein Gefühl der Unsicherheit und der Fragilität, Fragen zur allgemeinen und persönlichen Zukunft sind üblicher Teil des Diskurses. Häufig angefacht durch die aus dem Alltag kaum mehr wegzudenkenden sozialen Medien.

Die Unterhaltungsbranche als Seismograf

Als bedeutender Player in der Schweizer Unterhaltungsbranche nimmt die Stadtcasino Baden Gruppe diese Tendenzen und Strömungen sehr genau wahr. Denn der Erfolg der Akteure in der Sparte Freizeit und Kultur hängt wesentlich von der wirtschaftlichen Gesamtentwicklung ab. Ist diese von Unsicherheit und Zurückhaltung geprägt, sind beispielsweise auch die 2025 eingetretenen Veränderungen in der Schweizer Casinolandschaft – Schliessung des Casinos in St. Moritz und das Aus der beiden Online-Casinos in Basel und Montreux – die erwartbare Folge.

Zwar ist in der Schweiz das Bruttoinlandprodukt (BIP) 2025 insgesamt um 1.4 % gegenüber dem Vorjahr gestiegen. Aber die Entwicklungen von Quartal zu Quartal waren äusserst volatil. Und bei der Betrachtung einzelner Branchen zeigen sich Licht und Schatten. Während beispielsweise der Detailhandel in den ersten neun Monaten um ungefähr 0.6 % gewachsen ist (fast ausschliesslich im Food-Bereich notabene), verzeichneten die Automobilzulassungen ein historisch schlechtes Ergebnis und fielen auf den Wert von vor 25 Jahren zurück. Noch bedenklicher ist die Situation in der Gastronomie: 2025 schlossen jeden Tag durchschnittlich drei Restaurants die Türen für immer ab, egal ob gemütliche Landbeiz oder hippes Sterne-Lokal. Selbstverständlich sind gleichzeitig neue Gastroangebote entstanden, dennoch, eine Zunahme von rund einem Viertel an Konkursen gegenüber 2024 ist beachtlich. Und schliesslich waren auch im Schweizer Nachtleben tiefgreifende Veränderungen zu verzeichnen. Bars und Clubs spüren seit längerem hautnah, dass sich der Alkoholkonsum über alle Altersklassen hinweg abschwächt und die Gesellschaft im Allgemeinen einen gesünderen Lebensstil pflegt. Das geht bei vielen Konsumenten so weit, dass sie generell weniger oft ausgehen als früher und wenn, dann wird nicht selten der Freundeskreis im privaten Rahmen einem Bar- oder Clubbesuch vorgezogen.*

* Online-Umfrage auf watson.ch und watson.ch/fr vom 4. bis 10. Juni 2025 in Zusammenarbeit mit DemoSCOPE

Die Stadtcasino Baden Gruppe hält an ihrem langfristigen Plan fest

Der Casinomarkt Schweiz hat sich 2025 um 2.1 % auf CHF 877.9 Mio. Bruttospielertrag (BSE) zurückgebildet. Dabei sticht ins Auge, dass der Teilmarkt Online-Casino die seit 2019 dominierende Wachstumsdynamik eingebüsst hat und zuletzt um lediglich 1.2 % gewachsen ist. Die landbasierten Casinos mussten erneut Federn lassen, deren BSE sank um 3.9 % auf CHF 564.4 Mio. Das BSE-Verhältnis landbasiert zu online betrug im Berichtsjahr 64 % zu 36 %.

Die Unternehmen der Stadtcasino Baden Gruppe entwickelten sich 2025 den Erwartungen entsprechend mehrheitlich gut. Die ausgeprägte Kundenpflege mit klarem Bekenntnis zu hoher Servicequalität, Effizienzsteigerungen dank Digitalisierung und Nutzung neuer Technologien wie KI, die konsequente Kostenkontrolle und die etablierte Diversifizierung der Gruppe haben zu einem erfreulichen Konzernergebnis geführt. Mit CHF 5.064 Mio. resultiert ein gegenüber dem Vorjahr um 40 % erhöhter Gewinn. Das Management und der Verwaltungsrat sind überzeugt, dass insbesondere in unsicheren Zeiten das Verfolgen der langfristigen Strategie zum Erfolg führt. Entsprechend steuern wir das Unternehmen mit ruhiger Hand durch die gegenwärtigen Entwicklungen.

Der Umbau des Grand Casino Baden als zentrales Projekt

Leider hat die endgültige Freigabe der Umbaupläne für das Grand Casino Baden eine Verzögerung von mehreren Monaten erfahren. Der im September 2025 erhaltene definitive Behördenentscheid floss dann aber rasch in die Pläne ein, womit per Mitte 2026 die Arbeiten starten können. Rund 2/3 des Budgets von insgesamt CHF 25 Mio. betreffen die in die Jahre gekommene Gebäude-Infrastruktur des inzwischen 150 Jahre alten Kursaals, der Rest fliesst in die Modernisierung von Architektur und Ästhetik sowie in die Erweiterung der bespiel- und nutzbaren Fläche des Grand Casino Baden.

Während der rund 18 Monate dauernden Umbauphase wird das Spielangebot im terrestrischen Casino eingeschränkt sein, weshalb temporäre Ertragseinbussen budgetiert sind. Diese sind aber ein bewusster, strategischer Entscheid und der Preis dafür, dass die Spielbank anschliessend in neuem Glanz erstrahlt und ihre Position als eines der führenden Casinos der Schweiz nachhaltig stärkt. Das Grand Casino Baden wird damit wieder zum Massstab und zum Trendsetter, der sich sowohl architektonisch als auch seitens Gestaltung der Räumlichkeiten von der Konkurrenz abhebt und dadurch das Baden-typische Lifestyle zurückbringt. Also die gebührende «Bühne» für das einzigartige House of Entertainment mit der unvergleichlichen 5-Sterne-Dienstleistungsqualität.

Die Schweizer Casinos benötigen konsequenten Schutz durch Bund und Regulator

Die Stagnation des Schweizer Casinomarktes – in der Addition aus landbasierten und Online-Casinos – ist auch ein regulatorisches Problem. Laut der letzten KPMG-Erhebung aus dem Jahr 2023 beträgt das Schweizer Online-Marktvolumen rund CHF 500 Mio. Damit ist es also etwa 40 % grösser als es die offiziellen Zahlen (2025: CHF 313.4 Mio.) der Eidgenössischen Spielbankenkommission (ESBK) ausweisen. Grund für die beträchtliche Differenz sind die Einsätze der in der Schweiz gesperrten Spielerinnen und Spieler auf die Konten der illegalen Online-Anbieter aus dem Ausland. Leider wird diesem Missstand politisch, aber auch von den Behörden nach wie vor viel zu wenig Bedeutung beigemessen, obwohl die Zahl der jährlich gesperrten Spieler seit dem Start des Online-Gaming in der Schweiz von 3’500 auf rund 18’000 gestiegen ist. Die Schweizer Online-Casinos entrichten hohe Spielbankenabgaben und erfüllen strenge Compliance- und Spielerschutz-Vorschriften und sollten dafür einen weitaus effektiveren Schutz des ihnen vom Gesetzgeber zugestandenen Marktgebietes geniessen dürfen. Nicht zuletzt im Interesse der Casino-Kunden, der öffentlichen Hand als Empfänger der Spielbankenabgaben sowie des Regulators selbst. Effektive Sperrmethoden wie beispielsweise Payment Blocking – das Unterbinden des Zahlungsverkehrs zu illegalen Plattformen – wären bereits unter dem geltenden Gesetz umsetzbar.

Aber auch im landbasierten Betrieb profitieren die Mitbewerber im grenznahen Ausland direkt von den vergleichsweisen strengeren gesetzlichen Anforderungen in der Schweiz im Bereich Spielerschutz. Die Warteschlangen vor den Eingängen der wenig regulierten Spielbanken, insbesondere in Österreich und Deutschland, in denen gut vernehmbar das vertraute Schweizerdeutsch gesprochen wird, sprechen Bände. Anders die Situation im Casinò Locarno: Die Umsetzung des Sozialkonzeptes (SOK) nach aktuellen Standards, die latente Strukturschwäche der Tessiner Wirtschaft mit vergleichsweise tiefem Lohnniveau, eine dreimal höhere Armut als in der Deutschschweiz** und die bis ins 2025 fortlaufenden Aufräumarbeiten nach den Unwettern im Juni 2024 in der Grossregion Locarno haben zu einem um knapp 13 % tieferen BSE der Tochter im Sopraceneri geführt.

** Analyse der Westschweizer Zeitung “Le Courrier” vom 5. Februar 2026 auf Basis von Zahlen des Bundesamtes für Statistik

Casineo – das zweite Online-Casino der Stadtcasino Baden AG startet 2026

Das Management der Stadtcasino Baden AG hat 2025 entschieden, mit einem weiteren Online-Casino verstärkte Jagd auf Marktanteile zu machen. Casineo wird zur Online-Einheit des Casinò Locarno und damit das (unabhängige) zweite Standbein der Tessiner Tochterunternehmung. Die beiden Entwicklungsteams von jackpots.ch und Casineo operieren unabhängig voneinander. Es liegt aber auf der Hand, dass der grosse Erfahrungsschatz des jackpots.ch-Teams in Baden den Tessiner Kollegen zugutekommen und für wertvolle Synergien sorgen wird.

Gamanza diversifiziert in Geschäftsbereiche ausserhalb des iGaming

Die Technologie-Tochter der Stadtcasino Baden Gruppe hat 2025 einen weiteren Meilenstein erreicht und den ersten Fintech-Kunden für ihr Produkt Engage gewinnen können. Weitere Partner ausserhalb der Spielebranche – zum Beispiel im E-Commerce und in der Bildungsbranche – sind auf dem Radar der Software-Entwickler. Mit der Plattform, die ein Echtzeit-CRM, eine umfassende Gamification-Suite und einzigartige Free-to-Play-Spiele vereint, stösst Gamanza im erst zweiten Jahr der Internationalisierung in verschiedenen Ländern Europas, Nord- und Lateinamerikas sowie Afrikas auf grosses Interesse. Das Sales-Team wurde 2025 deutlich verstärkt, was sich im Berichtsjahr bereits in erfolgreich abgeschlossenen Neuakquisitionen manifestiert hat. Diese werden mehrheitlich 2026 bilanzaktiv sein.

Das zweite Standbein von Gamanza, das Player Account Management System PAMS (ein Betriebssystem für Online-Casinos, welches auf B2B-Basis vertrieben wird), ist ausschliesslich auf regulierte Märkte wie z. B. die Schweiz ausgelegt. Das Expansionspotenzial dieser Business-Unit ist daher im Vergleich zu Gamanza Engage limitiert. Der Fokus liegt auf der Betreuung unserer B2B-Spielbanken-Partner hierzulande und gegebenenfalls auf opportunistischem Wachstum im Ausland. Im Verlauf des Berichtsjahres haben die beiden Schweizer Gamanza-Kunden Basel und Montreux ihren Online-Betrieb aus Kostengründen eingestellt. Für sie wird 2026 Casineo in die Lücke springen und einen Teil des verlorengegangenen Umsatzes kompensieren.

Nachhaltige Investitionen in die Zukunft der gesamten Unternehmensgruppe

In den Jahren 2026 und 2027 wird die Stadtcasino Baden AG in verschiedene Unternehmen der Gruppe namhafte Mittel investieren. Der Umbau des Grand Casino Baden wird den Löwenanteil ausmachen, aber auch das Go-Live von Casineo und die globale Vorwärtsstrategie von Gamanza Engage stehen im Brennpunkt. 2028 wird sich das Grand Casino rundum erneuert präsentieren, und die Stadtcasino Baden Gruppe wird von den umfangreichen Investitionen profitieren können. Bis dahin gehen wir davon aus, dass temporäre Einbussen im terrestrischen Spiel in Baden durch Erträge aus anderen Gruppenbeteiligungen zumindest teilweise kompensiert werden.

Im Sinne einer soliden Liquiditätsplanung schlägt der Verwaltungsrat für das Geschäftsjahr 2025 eine gegenüber dem Vorjahr unveränderte Dividende von CHF 10 pro Aktie vor. Die verbleibenden Geldmittel, der Substanzwert und die zukünftigen Erträge des rundum erneuerten Grand Casinos sowie ein gewichtiger Fremdkapital-Anteil bilden die solide Basis für die Finanzierung der fälligen Instandhaltung bzw. Neugestaltung der Casino-Liegenschaft. Alles in allem führt das Projekt zur Stärkung der Position der Stadtcasino Baden AG insgesamt, was langfristig im Interesse der Aktionäre ist.

Die Stadtcasino Baden Gruppe trägt die typische Badener DNA in sich

Das in der Schweizer Casinolandschaft einzigartig diversifizierte Portfolio der Stadtcasino Baden Gruppe ähnelt stark dem ebenso einmaligen Charakter der Stadt Baden mit ihrer historischen Verschmelzung von Tradition und Modernität, von Kurstadt einerseits und Technologiestandort andererseits. Die Stadtcasino Baden Gruppe ist heute operativ stark, technologisch eigenständig und strategisch klar positioniert. Darauf dürfen wir stolz sein – ausruhen werden wir uns aber nicht.

Im Namen des Verwaltungsrates danke ich unseren Aktionärinnen und Aktionären, unseren Gästen sowie unseren Geschäftspartnern für ihr Vertrauen. Wir verstehen es als Auftrag, unsere unternehmerische Unabhängigkeit zu sichern, Innovation konsequent voranzutreiben und die erlangte Marktposition mit Disziplin und Weitsicht weiter auszubauen.

 

Hubertus Thonhauser
Präsident des Verwaltungsrates

zurück zur Startseite