Warum illegale Online-Casinos Schweizer Spielerinnen und Spieler gefährden
Rund 40 Prozent der Einsätze von Schweizer Online-Spielern versickern auf Plattformen illegaler Anbieter. Während lizenzierte Betreiber wie jackpots.ch in umfassende Schutzmassnahmen investieren, operieren ausländische Plattformen im rechtsfreien Raum. Ein Beispiel aus Liechtenstein zeigt: Konsequente Durchsetzung wirkt. Doch die Schweiz tut sich schwer.
Seit dem 7. Januar 2025 gelten verschärfte Bedingungen in Liechtensteins Casinos. An diesem Tag traten neue Regelungen in Kraft, die Schweizer Spielsperren auch im Fürstentum gültig machen. Die Folge: Umsatzeinbrüche von bis zu 85 Prozent, wie Branchenquellen berichten. Gleichzeitig bildeten sich umgehend Warteschlangen vor den Casinos in Konstanz, Bregenz und Lindau, wo die Regelungen nicht gelten. Das kleine Beispiel aus dem Alpenrheintal illustriert eine grosse Wahrheit: Durchsetzungswille macht den Unterschied. Doch beim grossen Problem der illegalen Online-Casinos fehlt der Schweiz genau diese Konsequenz.
Die Online-Anbieter im Schatten
Basierend auf der letzten verfügbaren KPMG-Erhebung aus dem Jahr 2023 zeigt sich das Ausmass des Problems: Damals flossen rund CHF 180 Mio. in illegale Online-Casinos, was etwa 40 Prozent des offiziellen Schweizer Online-Casinomarktes entspricht. Die lizenzierten Schweizer Online-Casinos erwirtschafteten 2024 einen Bruttospielertrag von CHF 310 Mio. Unter der Annahme, dass die Proportionen ähnlich geblieben sind oder sich sogar verschärft haben, verschwindet also ein erheblicher Teil der Einsätze an Anbieter, die sich um keine Regeln scheren. Und die Tendenz bei den nicht konzessionierten Anbietern zeigt nach oben: «Illegale Online-Spielangebote haben 2024 europaweit zugenommen», stellt Fabio Abate, Präsident der Eidgenössischen Spielbankenkommission (ESBK), im Tätigkeitsbericht 2024 fest.
Die Konsequenzen sind dramatisch: Der AHV dürften 2024 rund CHF 90 Mio. an Spielbankenabgaben entgangen sein (extrapoliert auf Basis der KPMG-Studie 2023 und unter Anwendung des durchschnittlichen Abgabensatzes von rund 50 Prozent auf den geschätzten illegalen Bruttospielertrag). Lizenzierte Schweizer Casinos kämpfen gegen eine Konkurrenz, die keine Steuern zahlt, keine Auflagen erfüllt und mit aggressivem Marketing punktet. Und am gravierendsten: Tausende Schweizer Spielerinnen und Spieler bewegen sich in einer Grauzone ohne jeglichen Schutz.
Technologie schlägt Regulierung
Die ESBK führt eine Sperrliste illegaler Online-Casinos. Die Zahlen dokumentieren einen enormen Aufwand: Von 39 gesperrten Domains im August 2019 sind es bis November 2025 über 2’600 geworden.
Aktualisierungen der Zugangssperren (https://www.esbk.admin.ch/de/nicht-bewilligte-online-spiele)
Eine beeindruckende Steigerung, die dennoch verpufft. «Betreiber illegaler Casinos sind technisch sehr versiert», erklärt Brian Christner, Chief Online Gaming der Grand Casino Baden AG. «Wenn ihre IP-Adresse oder Domain von der Regulierungsbehörde gesperrt wird, ändern sie normalerweise noch am selben Tag ihre Adressen und sind wieder online.» Das Prinzip funktioniert simpel: «MirrorSites», also Kopien der Websites, fügen dem Domainnamen eine Zahl hinzu, und prompt ist die Website wieder erreichbar, als wäre nichts geschehen. In der Praxis erscheint die von der ESBK vorgesehene Warnseite, die auf konzessionierte Anbieter hinweisen soll, nur selten. Die Betreiber haben längst Gegenmassnahmen entwickelt.
Dr. Alexandra Körner, Chief Legal & Compliance der Stadtcasino Baden AG, formuliert es noch deutlicher: «Die Anbieter können innerhalb kürzester Zeit eine neue URL aufsetzen. In manchen Fällen wird leider die Sperrung durch die Internetprovider nicht umgesetzt, obwohl die URL auf der Sperrliste steht. Und selbst wenn die Seite gesperrt ist, kann man die Sperre mittels VPN relativ einfach umgehen.» Zudem aktualisiert die ESBK die Sperrliste nur viermal im Jahr. So vergehen oft Monate, bis eine Sperre überhaupt zum Tragen kommt. Es ist ein Katz-und-Maus-Spiel, bei dem die Maus längst die Oberhand gewonnen hat.
Hinzu kommt die aggressive Präsenz illegaler Anbieter auf Google und in sozialen Medien. Teilweise werden dabei Logos und Merkmale legaler Schweizer Anbieter verwendet, um Vertrauenswürdigkeit vorzutäuschen. Diese Omnipräsenz zwingt lizenzierte Casinos zu höheren Marketingausgaben im Neukundengeschäft und in der Kundenbindung. Ein Wettbewerb mit ungleichen Waffen.
Wenn die Notbremse fehlt
Am schlimmsten aber trifft es die Spielerinnen und Spieler selbst. Bei lizenzierten Schweizer Online-Casinos wie jackpots.ch greifen umfassende Schutzmechanismen: Spielerinnen und Spieler können Limiten für Einsätze, Verluste und Spielzeit festlegen. Das Spielerverwaltungssystem erkennt auffälliges Verhalten automatisch. Compliance-Teams nehmen bei Verdachtsmomenten Kontakt auf, prüfen die finanzielle Situation und sprechen im Ernstfall Sperren aus, die schweizweit in allen lizenzierten Casinos gelten.
All das gibt es bei illegalen Anbietern nicht. «Illegale Online-Casinos bieten keinerlei Schutz», stellt die Stiftung «Sucht Schweiz» im Schweizer Suchtpanorama 2025 fest. «Aus Spielerschutzsicht sind die illegalen Angebote sehr problematisch», bestätigt Dr. Alexandra Körner. «Auch in der Schweiz gesperrte Personen können leicht auf illegale Angebote zurückgreifen und so findet trotz Spielsperre keine Verhaltensänderung statt.» Thomas Fritschi Bersier, Leiter des Sekretariats der ESBK, unterstreicht im Tätigkeitsbericht 2024: «Am stärksten genutzt wird das illegale Angebot von Spielerinnen und Spielern, die formell vom legalen Spielbetrieb ausgesperrt sind.»
Die gesellschaftlichen Folgen sind beträchtlich: Laut Sucht Schweiz weisen 4.3 Prozent der Schweizer Bevölkerung ab 15 Jahren eine problematische Nutzung von Glücks- und Geldspielen auf. Geldspielschulden gehören zu den Hauptthemen bei Schuldenberatungen – mit durchschnittlich über CHF 116’000 pro betroffene Person.
Wer einmal im illegalen Markt gelandet ist, bewegt sich ohne Netz und doppelten Boden. Keine Limits, keine Früherkennung, keine Ansprechpartner. Nur das Spiel und das Risiko. Und bei Verlusten, etwa weil ein Online-Casino die Auszahlung von Gewinnen verweigert, steht man allein da. Denn in der Schweiz ist das Spielen in ausländischen Online-Casinos zwar nicht strafbar, aber rechtlich bleibt man schutzlos.
Besonders perfide: Die Statistiken zu problematischem Spielverhalten in der Schweiz unterscheiden nicht zwischen legalen und illegalen Angeboten. Eine hohe Rate gefährdeter Spieler beschädigt so auch das Image der legalen Anbieter, die viel Zeit und Geld in effektiven Spielerschutz investieren. «Während die Folgekosten von Spielproblemen wie Beratungs- und Therapiekosten oder Schulden in der Schweiz bleiben und grösstenteils durch die Bevölkerung getragen werden müssen, wandern die Gewinne steuerfrei ins Ausland ab», bringt es Dr. Alexandra Körner auf den Punkt.
Andere Länder machen es vor
Ein Blick über die Landesgrenzen zeigt: Es geht auch anders. «Der Schweizer Markt sollte sich ein Beispiel an den USA, Grossbritannien, den Niederlanden oder Südamerika nehmen, die erfolgreich illegale Casinos in ihren Märkten blockiert haben», betont Brian Christner. Diese Länder setzen auf strengere Massnahmen wie Payment Blocking, das den Zahlungsverkehr zu illegalen Plattformen unterbindet. In Deutschland hat die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL) damit beachtliche Erfolge erzielt: Binnen kürzester Zeit gelang es, beliebte Zahlungsmethoden wie Sofortüberweisung, Skrill oder Paysafecard aus illegalen Casinos zu verbannen. Wer diese Zahlungsarten verwenden will, muss sich an legale Anbieter halten.
Auch Sucht Schweiz fordert im Suchtpanorama 2025 eine «stärkere Kontrolle des illegalen Angebots» und betont: «Es braucht mehr (auch technische) Ressourcen, um Sperrungen vorzunehmen, zumal gesperrte Personen bei illegalen Anbietern weiterspielen können.»
In der Schweiz hingegen wird Payment Blocking bislang nicht angewendet. Die ESBK setzt weiterhin ausschliesslich auf DNS-Sperren, obwohl deren begrenzte Wirksamkeit offensichtlich ist. «Aus meiner Sicht könnten auch unter dem geltenden Gesetz bereits effektivere Sperrmethoden eingesetzt oder andere Mittel zur Blockierung ausländischer Anbieter gefunden werden», betont Dr. Alexandra Körner. Die rechtlichen Möglichkeiten seien bereits vorhanden, es fehle am konsequenten Einsatz der verfügbaren Instrumente.
Derzeit läuft eine Evaluation des Geldspielgesetzes durch eine Expertengruppe, die neben Spielerschutz und Werbung auch den illegalen Markt untersucht. Auch Österreich plant laut Regierungsprogramm die Einführung von Payment Blocking, ebenfalls ohne Gesetzesänderung.
Aufklärung als erste Verteidigungslinie
Bis dahin liegt es auch an den Spielerinnen und Spielern selbst, die Spreu vom Weizen zu trennen. Gemäss der KPMG-Studie wissen über 80 Prozent der Spieler nicht, ob sie auf legalen oder illegalen Seiten spielen. Brian Christner empfiehlt drei einfache Checks: «Erstens kann man auf der Website der ESBK überprüfen, ob das Online-Casino offiziell reguliert ist. Das ist der zuverlässigste Check. Zweitens nutzt jedes regulierte Online-Casino in der Schweiz nur .ch-Domainnamen. Drittens ist jedes regulierte Online-Casino mit einem landbasierten Casino in der Schweiz verbunden und muss im Logo darauf verweisen, zum Beispiel jackpots.ch des Grand Casino Baden.»
Die Schweizer Casinobranche hat sich zum Ziel gesetzt, diese Wissenslücke zu schliessen. Mit dem gemeinsamen Spielerschutzkodex und der Website playerprotection.ch aller Schweizer Casinos wurde ein erster Schritt getan. Eine Arbeitsgruppe des Casinoverbands, in der auch das Grand Casino Baden vertreten ist, erarbeitet weitere gemeinsame Massnahmen. «Wir sollten uns besser von den Illegalen abheben», unterstreicht Dr. Alexandra Körner. «Wir müssen mehr als bisher hervorheben, dass die legalen Schweizer Online-Casinos grosse Anstrengungen im Bereich Spielerschutz unternehmen.»
Dr. Alexandra Körner, Chief Legal & Compliance
Branchenweite Antworten
Für die Stadtcasino Baden Gruppe ist der Kampf gegen illegale Anbieter nicht nur eine Frage der Wettbewerbsfähigkeit, sondern vor allem eine Frage der Verantwortung. «Für mich und das jackpots.ch-Team ist es wichtig, immer weiter innovativ zu sein, unseren Spielerinnen und Spielern mehr Wert zu bieten und das bestmögliche Spielerlebnis zu schaffen», sagt Brian Christner. «Wir geben uns nicht mit dem Status quo zufrieden.» Auch wenn rund 40 Prozent des tatsächlichen Marktvolumens auf illegale Casinos entfallen, bleibt er optimistisch: «Ich bin zuversichtlich, dass der Schweizer Markt stabil bleibt. Wenn es der ESBK gelingt, die illegalen Umsätze um 5 bis 10 Prozent zu reduzieren, wird dies zu einer Rückführung der Einsätze in den regulierten Markt führen.»
Auch auf technologischer Seite entstehen Lösungsansätze. Mit spezialisierten Plattformen für stark regulierte Märkte, wie sie etwa die Technologietochter Gamanza entwickelt, können Behörden direkten Zugriff auf Spielerschutzdaten erhalten. Ein Ansatz, der den strengen Schweizer Vorgaben entspricht und auch international auf Interesse stösst. «Jede neue Regulierung in anderen Ländern verkleinert zudem den Markt für illegale Anbieter», erklärt Dr. Alexandra Körner. Doch ohne entschiedenes Handeln auch in der Schweiz wird dieser positive Trend seine volle Wirkung nicht entfalten können.
Die Botschaft ist klar
Der Fall Liechtenstein hat Anfang 2025 gezeigt: Wo der politische Wille existiert, lässt sich Regulierung durchsetzen. Die Schweiz muss sich die Frage stellen, ob sie weiterhin zusehen will, wie der AHV jährlich Millionen entgehen, wie tausende Spieler ohne Schutz und Kontrolle agieren und wie lizenzierte Anbieter gegen eine Konkurrenz kämpfen, die sich an keine Regeln hält. Die technischen Möglichkeiten wie Payment Blocking existieren. Es braucht nur den Mut, sie umzusetzen. Andere Länder machen es vor.
Bis dahin gilt: Wer in der Schweiz sicher spielen will, muss auf lizenzierte Anbieter setzen. Denn Sicherheit ist das, was im illegalen Online-Glücksspiel vollständig fehlt.